Sprach-Zertifikat bei „Vielfalt Moritzburg“ geschafft!

Hier geben fünf Flüchtlinge ihr erstes Interview auf Deutsch

 


Manche Wörter kommen noch bisschen zögernd, ab und zu stimmt die Endung nicht – völlig egal. Sie sprechen deutsch, nach nur sechs Monaten!

Fünf Flüchtlinge aus Moritzburg haben das erste Deutsch-Sprachlevel A1 erreicht. Der Syrer Anas Alkhasharfa (25) sowie die Afghanen Mohammed Akhter (23), Habib Muradi (21), Mohammed Reza (27) und Abdul Quadir (26) gaben fürs Moritzburger Gemeindeblatt ihr erstes Zeitungsinterview,  auf Deutsch. Das sind ihre Originalantworten – Mitfreuen und Schmunzeln erlaubt.

 

Was ist das Schönste an Moritzburg?

Mohammed Akhter: „In Moritzburg gefällt mir alle Leute. Und meine Lehrerin…“

Habib: „Ich denke, Moritzburg hat Natur. Und wirklich ich möchte Moritzburg.“

Mohammed Reza: „Die Leute in Moritzburg sehr schön. Und guter Wald.“

Was kauft Ihr bei Netto ein?

Mohammed Akhter: „Hähnchen, Zwiebel, Kartoffeln, Tomaten.“

Mohammed Reza: „Apfelsaft, Bananen.“

Anas: „Kartoffeln, Nudeln… Vieles.“

Was seid Ihr von Beruf?

Anas: „Apotheker.“

Habib: „Jetzt ich habe kein Beruf. Ich bin Schüler, lerne deutsche Sprache.“

Abdul: „Schneider. Jetzt mache ich Praktikum in Meißen.“

Mohammed Reza: „Student Geologie, aber nicht fertig… Jetzt ich lerne deutsch.“

Was vermisst Ihr in Deutschland?

Mohammed: „Ich vermisse mein Mutter.“

Anas (verheiratet): „Ich vermisse Frau.“

Abdul (und alle anderen): „Meine Familie.“

Was esst Ihr zum Frühstück?

Abdul: „Milch, Quark, Müsli.“

Mohammed Akhter: „Käse mit Tomate. Und Tee.“

Mohammed Reza: „Eine Eier, schwarze Tee mit Zucker, Marmelade Kirsche.“

Was ist das schwierigste deutsche Wort?

Abdul: „‘Kein Problem‘. Aber jetzt gut.“

Mohammed Reza verknotet sich fast die Zunge: „ZWIEBEL!“

Anas: „‘Ungefähr‘.“

Wie heißt Deutschland in Deiner Sprache?

Habib: „In Afghanistan Deutschland heißt ‚Alman‘.“

Was würdet Ihr jetzt gern trinken?

Mohammed Akhter: „Kalt Wasser.“

Abdul: „Milch.“

Mohammed Reza: „Eine Tasse Kaffee.“

Habib: „Wasser. Und Cola. Kein Alkohol.“

Wie heißt die große Straße in Moritzburg?

Habib und Mohammed Akhter: „Am Knabenberg.“

Abdul und Mohammed

Reza: „Schlossstraße.“

Anas: „Moritzburger Allee.“

 

Mehr als 20 ehrenamtliche

Lehrer in Moritzburg

 

Seit sechs Monaten geben mehr als 20 ehrenamtliche Lehrer der Initiative „Moritzburg – Ort der Vielfalt“ Deutschunterricht. Die Schüler kommen zum Lernen in die Evangelische Hochschule. Fünf Kurse gibt’s – vom Unterricht für Analphabeten bis zum Sprachlevel A1/2.

Silva Garves koordiniert das Projekt. „Von den 60 Schülern in Moritzburg kommt etwa die Hälfte regelmäßig zum Unterricht“, sagt sie. „Es gibt in jedem Kurs dreimal Unterricht pro Woche, jeweils zwei Stunden.“

Alle Lehrer unterrichten ehrenamtlich. Silva Garves: „Wir haben ‚richtige‘ Lehrer, aber auch Studenten, Rentner und Leute aus anderen Berufen.“

Eine von ihnen ist Betriebswirtin Anja Gulich (39), die jeden Donnerstag für zwei Stunden Deutschlehrerin ist – neben Beruf und Familienleben. Was motiviert sie, unentgeltlich zu arbeiten? „Ein Lächeln der Dankbarkeit von allen Schülern“, sagt sie. „Und nach jedem Unterricht tragen mir die Schüler die Tasche und meinen Laptop zum Auto. Ist das nicht eine tolle Geste?“

Die Schüler lieben ihre Deutschlehrer. Sie gehen mit ihnen ihre ersten Schritte in ein neues Leben. Anja Gulich: „Ich habe aber auch viel von meinen Schülern gelernt: Bescheidenheit und Durchhaltevermögen. Und dass man sich Gedanken darüber machen sollte, was in einem Menschenleben wirklich wichtig ist.“ Ehrenamtskollegin Silva: „Für mich ist das Wertvollste der persönliche Kontakt zu Menschen aus anderen Kulturkreisen. Und ich bin vorsichtiger in der Beurteilung anderer Menschen geworden.“

Manche Deutschlehrer sprechen inzwischen selbst ein bisschen arabisch. Jeden Freitag, um 16 Uhr, lädt ein syrischer Flüchtling zum Arabischunterricht ein. Anja Gulich: „Malfi Mischgele heißt ‚Kein Problem‘, Marhaba bedeutet ‚Hallo‘ und Jimle Gamele, dass sie im ganzen Satz sprechen sollen. Kiwi heißt auf Persisch und Arabisch wie im Deutschen Kiwi.“

Mit dem A1-Zertifikat in der Tasche begonnen vier Flüchtlinge demnächst ihre offiziellen Integrationskurse, Syrer Anas wird nach Stuttgart gehen. Was wünschen die Lehrerinnen ihren Schützlingen?

Anja Gulich: „Ganz viel Kraft, dass sie hier in Deutschland bleiben dürfen und alles Gute für ihren Lebensweg.“ Kollegin Silva ergänzt: „Ich wünsche ihnen hier in Deutschland ein glückliches Leben und dass sie, wenn sie es möchten, in ihre Heimat zurückkehren können und auch dort ihr Glück mit Arbeit, Familie und Freunden finden werden.“                        

Ulrike Seidel

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